Ist das Feminismus? Frauen beim Fischertag

Unser Kommentar zur Entscheidung des Gerichts Memmingen, dass am Fischertag nun auch Frauen beim "Ausfischen" des Stadtbachs teilnehmen dürfen:

Immer wieder sind in den letzten Wochen und Monaten die sogenannten „Männervereine“, bei denen Frauen nicht mitwirken können in den Medien. Nun hat ein Gerichtsbeschluss darüber verfügt, dass zukünftig auch Frauen am Fischertag in Memmingen in den Bach springen dürfen, um zu ‚fischen‘. Dass nun auch Frauen an diesem Tag völlig verängstigte und gestresste Fische aus dem Bach ziehen dürfen, mit dem bloßen Ziel in einem Wettbewerb dafür gekrönt zu werden, „den dicksten Fisch gefangen zu haben“, wird als Sieg für die Gleichberechtigung betitelt. Doch wer denkt an Gleichberechtigung für die eigentlichen Leidtragenden dieser „Tradition“; die Fische? Fische sind komplexe, intelligente Lebewesen mit einem regen Sozialleben, die sich weiterhin durch eine hohe geschlechtliche und sexuelle Diversität auszeichnen. Auch wenn sie ihr Leiden nicht für uns hörbar kundtun können, so spüren sie doch Schmerzen, wenn ihre Kiefer mit Angelhaken durchstochen werden, sie in Fischernetzen zerquetscht werden, oder qualvoll an Land ersticken.

Bereits die Suffragetten erkannten, dass Tierrechte auch eine feministische Angelegenheit sind, und setzten sich insbesondere im angelsächsischen Raum als eine der ersten Gruppierungen für die Rechte von anderen Tieren ein. Zentral ist bei der Forderung nach Gleichberechtigung und Feminismus auch die Forderung nach der Selbstbestimmung über den eigenen Körper; diese wird anderen Tieren sowohl in der Tierindustrie als auch bei Veranstaltungen wie dem Fischertrag routinemäßig entzogen. Tradition kann keine Rechtfertigung für Gewalt sein. Hier in Deutschland zeigen wir oft mit dem Finger auf andere Kulturen, statt die Grausamkeiten in unserer eigenen zu adressieren.


Wir fragen uns, wie viele derer, die nun freudig am Fischertag teilnehmen, auch den Stierkamp in Spanien als Tradition verteidigen und unterstützen. In beiden Fällen handelt es sich um Traditionen und „Kulturgut“, die mit dem Tod anderer Lebewesen enden. Wer Stierkämpfe „unmenschlich“ findet, darf nicht beim Fischertag aufhören. Auch im Stierkampf dürfen Frauen mittlerweile seit einigen Jahrzehnten als vollwertige Teilnehmerinnen partizipieren. Doch auch hier wird sich daran erfreut, nun auch an dieser Tradition teilnehmen zu dürfen, statt diese traditionell patriarchale Veranstaltung grundlegend in Frage zu stellen. Doch ein Feminismus der Anpassung an patriarchale Strukturen der Ausbeutung und Unterdrückung kann keine erfolgreiche Veränderung nach sich ziehen.

Um es in den Worten von Audre Lorde zu sagen: "For the master’s tools will never dismantle the master’s house.“

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